artikeljuni2021

Aufbruch und Neubeginn durch Neuentscheidung
Leben statt überleben

Phönix aus der Asche ist der Titel einer Mythologie, welche darstellt, wie der Vogel Phönix in den frühen Sonnenstrahlen verbrennt, um dann gesund und jung aus seiner Asche wieder aufzuerstehen. Phönix wurde zum Sinnbild der Auferstehung.
Was bedeutet diese Sage für den psychotherapeutisch/beraterischen Kontext? Diese Entwicklung können wir in unserem Leben häufig beobachten. z. B. in unserem körperlichen Bereich, wenn Zellen absterben und sich neue Zellen entwickeln, wie z.B. unsere Hautzellen. Sie sterben ab, und es entwickeln sich neue Zellen. Blutzellen, wie die roten Blutkörperchen leben 120 Tage und erneuern sich dann. In unserem Wunderwerk Körper gibt es viele solcher Beispiele des Absterbens von Zellen und anschließender Erneuerungen.
Ähnliche Entwicklungen können wir auch bei unserer Psyche beobachten, wenn wir aus einer schweren Krise gestärkt hervorgehen. Beginnen wir erst etwas Neues, wenn wir gar nicht mehr weiterwissen? Müssen wir erst „am Boden liegen“ bevor wir unsere Lebensumstände ändern können? Kann „Phönix aus der Asche“ ein Sinnbild und eine Anleitung zur Selbsthilfe sein? Oder können wir auch durch eine Einsicht bei Problemen und Konflikten unser Leben ändern? Menschen fühlen sich ausgebrannt, leer und lassen womöglich die verbrannte Asche zurück, um ein altes Leben aufzugeben. Das „Funktionieren“ hat keine so große Priorität mehr, und es ist dann möglich, sich dem Leben neu und anders zuzuwenden. Trennungen werden vollzogen, wie die womöglich lang erwogene Kündigung des Arbeitsplatzes, die schon lange überfällig war. Andere belastende Situationen wie auch nicht mehr tragfähige Beziehungen werden oft nach einem Zusammenbruch (dem Sterben wie bei Phönix) für Neues und Besseres aufgegeben. Wir alle erleben in unserem Leben Rückschläge und Krisen, dabei ist es langfristig entscheidend, wie wir mit Krisen, sei es körperlich oder psychisch umgehen, und ob wir dadurch gestärkt „auf-stehen“. Ein Schwerpunkt meiner psychotherapeutischen Arbeit ist die Psychosomatik. Damit meine ich die Wechselwirkung zwischen Körper (Soma) und Psyche.
Um dies zu verdeutlichen, beschreibe ich ein authentisches Beispiel aus meiner Praxis mit einer Tumorpatientin. So eine Krebsdiagnose wird als Todesdrohung erlebt.
Anne ist 25 Jahre alt und arbeitet als MTA (Medizinisch Technische Assistentin). Im Erstgespräch erzählt sie mir folgendes: „Ich komme zu ihnen, weil mir meine Ärztin angeraten hat, unbedingt eine Psychotherapeutin aufzusuchen. Jetzt bin ich hier. Ich bin 25 Jahre alt und habe zum 2. Mal Eierstockkrebs. Eigentlich ist es schon das 3. Mal. Die erste Diagnose wurde gestellt, als ich 17 Jahre alt war. Meine Eltern und die behandelnden Ärzte haben diese Diagnose immer vor mir geheim gehalten.“ Hier zeigen sich schon erste „typische Sätze", welche für die Psychotherapie bedeutungsvoll sind.
Zuerst einmal sucht die Patientin den Weg zur Psychotherapie auf Grund des Anratens einer Ärztin auf, also nicht aus eigenen Überlegungen und Wünschen. Sie hat die Tragweite der damaligen Kränkung des „Geheimhaltens“ ihrer Krankheit durch ihre Eltern bis jetzt nicht erkannt, geschweige denn überwunden. Ich gebe Anne als erstes einmal Informationen zu dem Ablauf einer Psychotherapie, da sie verunsichert ist „wie eine Therapie so abläuft“. Ich vereinbare mit ihr, dass sie alles in Ruhe überlegt, auf ihre innere Stimme hört und mich dann nach spätestens drei Tagen anruft, um Ja oder Nein zur Psychotherapie zu sagen. Diese Vorgehensweise praktiziere ich gerne, da ich den Patienten eine verbindliche Vereinbarung, gemäß der Vertragsarbeit, vorschlage. Die Vertragsarbeit in der TA zeichnet sich durch gegenseitige Vereinbarungen aus. Diese beinhalten neben den administrativen Regelungen (Häufigkeit und Dauer der Sitzungen etc.) im Wesentlichen die Therapieziele. Patienten werden nach dem „Sacken lassen" der Informationen der ersten Therapiestunde eine Entscheidung für oder gegen die Therapie treffen können. Damit habe ich nicht nur die bewusste Entscheidung der Patienten (Erwachsenen-Ich), sondern durch die Sicherheit und Vertrauen bildenden Erklärungen das „innere Kind" auf der therapeutischen Seite. Das ist gerade dann wichtig, wenn es ängstlich ist und nicht weiß, was kommt und sich alles am Anfang „komisch“ anfühlt.
Anne rief am nächsten Tag an und berichtete mir, dass sie auf jeden Fall die Therapie bei mir beginnen möchte, nach dem Motto: „Schlimmer als bisher kann es ja nicht kommen".
Sie erzählte mir folgendes: Anne wurde als drittes Kind geboren, sei aber als Einzelkind (Nachzögling) aufgewachsen. Ihren älteren Bruder habe sie kaum erlebt, da er bereits ausgezogen war. Zu ihrer Schwester habe sie ein herzliches Verhältnis. Mit ihr könne sie gut reden, ohne unterbrochen zu werden. Das Verhältnis zu ihrer Mutter beschreibt sie als sehr eng. Die Mutter sage ihr, was gut für sie sei, wann sie schlafen gehen und was sie essen soll. Der Vater verhält sich distanziert und meist schweigsam. Eine Ablösung aus dem Elternhaus, z.B. durch Rebellion, fand nicht statt. Anne empfand ihr Verhalten mit „brav/ angepasst sein“ als normal. Sie nahm die Kontrolle der Mutter zunächst nicht wahr, war nur „ab und zu genervt“. Sie absolvierte nach der Schule die Ausbildung zur MTA und arbeite sehr gerne in diesem Beruf. Sie lebt bei ihren Eltern in einem kleinen Zimmer von 8 m².
Mit 17 Jahren erkrankte sie zum ersten Mal an Eierstockkrebs. Dies wurde ihr damals in Absprache zwischen ihren Eltern und den Ärzten nicht mitgeteilt. Ihr wurde gesagt, sie müsse am Blinddarm operiert werden. Anne erlitt mit der Konfrontation der Diagnose Eierstockkrebs 7 Jahre später einen Schock, als ihr der Arzt erklärte…“der Krebs sei wieder aufgetreten“. Zum jetzigen Zeitpunkt, ein Jahr später, sei die Krankheit zum dritten Mal ausgebrochen. Sie hat starke Angst vor der erneuten Operation. Ich erkläre Anne, dass bei einer Krebserkrankung eine Krebszelle aus ihrem normalen Gefüge ausbricht und sich unkontrolliert vermehrt. Auf meine Frage, ob sie unbewusst den Wunsch hat, auch „auszubrechen“, selbstständig zu werden, auszuziehen, um mit 25 Jahren ihren eigenen Weg zu gehen und die Verantwortung für ihre Erkrankung, ihre Heilung und ihr Leben selbst zu übernehmen, antwortet Anne: „Wenn die Krankheit nicht erneut ausbricht, dann würde ich auch ausziehen…“. Hier wurde deutlich, dass sie sich durch die Krankheit ausgeliefert, abhängig und hilfsbedürftig erlebte. Sie traute sich das alles nicht zu, da sie viel zu viel Angst hatte. Eine Entwicklung in Richtung Selbstständigkeit / Autonomie sah Anne zu diesem Zeitpunkt als Bedrohung an, so dass hier erst einmal andere therapeutische Arbeiten im Vordergrund standen.


Ein zentrales Thema der psychotherapeutischen Tätigkeit in der TA ist das Erkennen von einschränkenden Skriptbotschaften und die Auflösung der unbewussten schädlichen Skriptentscheidungen. Auch ist nach kraftspendenden und förderlichen Skriptbotschaften zu suchen. Erhaltene Skriptbotschaften von Eltern oder anderen nahestehenden Autoritätspersonen führen zu unbewussten Schlussfolgerungen für das Leben, den sogenannten Skriptentscheidungen. Die zentralen Botschaften an Anne waren: „Bleibe unser kleines Mädchen. Vertraue uns, dann geht es dir gut.“ Ihre Skriptentscheidung war: „Ich vertraue mir nicht. Ich vertraue meinem Körper nicht. Ich kümmere mich um meine Eltern, so wie sie sich um mich kümmerten“.
Das Lebensskript wird auch als unbewusster Lebensplan bezeichnet. Es ist wie ein Drehbuch mit einem Anfangsteil (Entstehung), mehreren Hauptakten (Wiederholungen) und einem Ende (glückliches Leben oder Krankheit). Das Skript entsteht durch Schlussfolgerungen und Entscheidungen, die das Kind aus den nonverbal gegebenen Skriptbotschaften (z.B. vertraue nur uns), aus Zuschreibungen (z.B. du bist dumm), Prägungen (z.B. gelebte Rituale und Bewertungen in der Herkunftsfamilie) und Schlüsselerlebnissen (z.B. Kränkungen, Unfälle, Traumata) trifft. Im Erwachsenenalter stellt sich die Frage, welche Skriptentscheidungen früher getroffen wurden, die zu der heutigen Lebensweise, dem Verhalten, Denken und Fühlen führen und einen wichtigen Einfluss auf unsere Gesundheit bzw. Krankheit haben.
Eric Berne definierte das Skript „als einen fortlaufenden Plan, der sich unter starkem elterlichem Einfluss aufgrund von Prägungen, Botschaften und Zuschreibungen ausbildet“. Richard Erskine modifiziert und betrachtet das Skript als einen „Lebensplan, der auf Entscheidungen beruht, die unter Druck in jeder Entwicklungsphase getroffen werden und die die Spontaneität und Flexibilität in der Lösung der Probleme und in den Beziehungen zu anderen beeinträchtigen“. Damit schließt Erskine in Ergänzung zu Berne spätere Traumata und Entwicklungskrisen in die möglichen Entstehungsbedingungen des Skriptes mit ein.
Siehe unten eine bildliche Grafik (Abb. 1) wie die elterlichen Skriptbotschaften und die Antreiber von den Eltern an das Kind gegeben werden. Antreiber sind Anweisungen, die in einer späteren Entwicklungsphase an das Kind verbal gegeben werden. z. B. „Sei lieb sonst werden wir krank“.


Gerade im Umgang mit lebensbedrohenden und psychosomatischen Krankheiten richte ich mein Augenmerk auf Skriptbotschaften und Skriptentscheidungen wie diese oben beschrieben wurden. Unser Selbstwertgefühl, unsere Glaubenssätze, unsere Verhaltens- und Denkmuster und unsere Gefühle sind abhängig von den frühen Skriptbotschaften und den daraus resultierenden Skriptentscheidungen.
Zu den Schlüsselerlebnissen gehören Kränkungen, schwere Unfälle und Krankheiten, und Traumata. Als Beispiel: Wenn jemand als Kind einen Fahrradunfall hatte, kann das Kind beschließen: „Nie mehr fahre ich Fahrrad, das ist viel zu gefährlich.“ Hier zeigt sich eine typische Entscheidung, die aufgrund des Traumas getroffen wird.


Wir begannen mit der Analyse von Annes Lebensskript:
Skriptbotschaften seitens ihrer Eltern:
Sei nicht du selbst
Fühle nicht was du fühlst, sondern was wir fühlen
Sorge für uns
Bleib unser kleines Mädchen
Vertraue uns


Skriptschlussfolgerungen und Skriptentscheidungen:
Ich darf nicht fühlen, was ich fühle, das ist gefährlich.
Ich vertraue nicht mir und meinem Körper, sondern meinen Eltern, den Ärzten und Anderen.
Ich bin zuständig für das Wohlergehen meiner Eltern.
Wenn ich mich beeile und in Aktion bin, vermeide ich meine eigenen Gefühle.
Ich darf nicht meine eigenen Dinge tun, sondern nur dass, was andere möchten.
Wenn ich mich Anderen anpasse, werde ich von allen geliebt.


Aufgrund von gegebenen Skriptbotschaften, welche Eltern oder weitere Autoritätspersonen (in diesem Fall Ärzte) nonverbal oder atmosphärisch vermitteln, trifft ein Kind unbewusst eigene Skriptentscheidungen. Diese Skriptentscheidungen waren erst einmal die besten Überlebensstrategien eines Kindes, um in der damaligen Welt zurecht zu kommen. Diese gilt es zu respektieren und zu würdigen und im weiteren Verlauf, „neue Entscheidungen“ zu treffen.
Wegen der Schwere der Erkrankung galt es als erstes eine neue, bewusste Lebensentscheidung zu erarbeiten. Diese Lebensentscheidung, die ich „Leben statt Überleben“ nenne, habe ich mit Anne schriftlich vereinbart, damit Körper und Psyche mit daran teilhaben können. Im Laufe dieses Prozesses hat Anne für sich eine Neuentscheidung getroffen: „Ich werde leben und nicht nur überleben“. Die schriftliche Vereinbarung schafft mehr Verbindlichkeit und Vertrauen in die eigene Selbstwirksamkeit. Das löst körperliche und psychische Reaktionen wie Freude, Lebensmut und Zuversicht aus. Viele meiner Patienten hängen sich ihre schriftlich formulierte Lebensentscheidung in ihrer Wohnung, z.b. im Schlafzimmer über dem Bett, auf.
Gestärkt durch diese neue Lebensentscheidung ging Anne mit Mut ins Krankenhaus, um sich der Operation zu unterziehen. Sie erzählte mir später, dass in der 2. Nacht nach der OP der Tod an ihrem Bett saß. Sie hat ihm mitgeteilt, dass sie sich für ihr Leben entschieden hätte, noch viel zu jung sei, um zu sterben, sie viele neue Dinge in ihrem Leben wahrnehmen möchte und deshalb nicht sterben wolle. Im weiteren Therapieverlauf traf Anne weitere Neuentscheidungen, um den alten frühen Skriptentscheidungen entgegenzuwirken. So begann sie langsam aus ihrem angepassten Verhalten auszusteigen. Sie widersetzte sich Entscheidungen von Ärzten bezüglich ihrer Therapie, da einige Entscheidungen für sie nicht stimmig waren. Auch ihren Kollegen erschien sie plötzlich unbequem und zickig. Darauf angesprochen antwortete sie ...“besser unbequem und zickig als tot.“ Anne zog während der noch laufenden Therapie von zu Hause aus. Sie fand eine schöne helle Wohnung, in der sie sich bis heute wohlfühlt. Ein erneutes Auftreten des Krankheitsbildes erfolgte bis heute, 10 Jahre später nicht mehr. Sie teilt sich inzwischen die Versorgung ihrer Eltern mit ihren Geschwistern.
Eine Heilung war meines Erachtens nur durch einen ganzheitlichen Ansatz einschließlich der Psychotherapie möglich. Auch hier zeigte sich, dass Soma und Psyche untrennbar zusammengehören, da hier die körperliche Krebserkrankung viele psychische Probleme deutlich gemacht hat und psychische Probleme mit ein Auslöser der Krebserkrankung waren.
Ein wichtiger Aspekt im Heilungsverlauf bei Anne war die Entwicklung von Autonomie im Sinne von Bewusstheit, die Veränderung des Lebensstils und der Ausstieg aus dem (über)- angepassten Verhalten innerhalb der Familie und bei ihren weiteren sozialen Kontakten. Inwieweit die fehlende Autonomie, die erdrückende und kontrollierende Liebe der Mutter und der „geheime Familienauftrag“ (Anspruch auf Pflege der Eltern im Alter) zum damaligen Ausbruch der Erkrankung beigetragen hat, lässt sich im Nachhinein natürlich nicht feststellen.
In anderen Beispielen aus meiner Praxis zeigt sich ebenfalls, wie Menschen durch eine Krise auch wieder wie neugeboren, also gestärkt ihr Leben weiter gut gestalten können. Eine Patientin, Anna, welche als Krankenschwester auf einer Kinderstation arbeitete, konnte das Leiden der Kinder auf ihrer Station nicht mehr ertragen. Nachdem sie viele körperliche Zeichen wie Schlaflosigkeit, Fibromyalgie, diverse anhaltende Erkältungskrankheiten, die nicht ausheilten, durchgemacht hatte, entschloss sie sich für eine Psychotherapie. Ihre Erschöpfung war ihr deutlich anzumerken. Sie hatte die Antreiber: „Sei perfekt, streng dich an und sei schnell“. Die Kombination führt bei langfristigem Dauerstress zu einer Schwächung des Immunsystems mit zahlreichen Erkrankungen und damit auch zu einer instabilen psychischen Situation. Auslöser waren der hektische Klinikalltag und fehlende Rückmeldungen dazu, wie es den Kindern, zu denen sie eine Beziehung aufgebaut hatte, nach der Entlassung geht. Ihr größter (geheimer) Wunsch war es, in der Prophylaxe zu arbeiten. Anna traute sich aber nicht, diesem Wunsch umzusetzen, da sie existenzielle Nöte befürchtete. Durch vertiefte Skriptarbeit wurde ihr bewusst, dass sie folgende Glaubenssätze lebte: „Ich traue mir nicht, ich vertraue mir und meinen Fähigkeiten nicht, meinem Körper und meiner Intuitionen nicht“. Der Konflikt zwischen dem, was Anna als sinnvoll ansah und tun wollte und dem, was sie tun musste, zeigte sich in einem Engpass erster und zweiter Ordnung.
Die Engpasstheorie oder Sackgasse stammt von den Gouldings und sie definieren einen Engpass „als einen Punkt, an dem zwei oder mehr (gleich starke) entgegengesetzte Kräfte aufeinanderstoßen, einen festgefahrenen Ort, ein Patt“ (Gouldings: Neuentscheidungstherapie, Seite 63). Also, ein Engpass erster Ordnung (Abb. 2) nach den Gouldings kennzeichnet sich durch einen Konflikt zwischen dem, was man tun möchte und dem, was man tun muss.


Abb. 2 - Engpass 1. Ordnung nach Goulding
Im Engpass zweiter Ordnung (Abb. 3) zeigt sich der Konflikt zwischen dem, was als elterliche Botschaft oder als Verbot vermittelt wurde, z. B. „zeige deine Gefühle nicht“, und dem, was man aber tun will.


Abb. 3 - Engpass 2. Ordnung nach Goulding
Durch die Psychotherapie konnten die Konflikte gelöst werden. Anna absolvierte eine Ausbildung als Entspannungspädagogin für Kinder und arbeitet seitdem zufrieden in diesem Beruf. Sie fühlt sich in ihrer Arbeit erfüllt und ihre körperlichen Symptome verschwanden nach und nach. Therapeutisch gilt eine Neuentscheidung dann als abgeschlossen, wenn die gewünschten Veränderungen vollzogen und aufrechterhalten werden!
Ein Patient, Josef, suchte mich nach einer Kurmaßnahme auf, um seine „neu entdeckten Aspekte“ beizubehalten. Er litt unter einem Burnout aufgrund einer permanenten Überlastung durch seine Arbeit und in seiner Beziehung. Seine ausgeprägten „Sei stark“ und „Sei perfekt“ Antreiber überforderten ihn und führten zu körperlichen Reaktionen, depressiven Verstimmungen und endeten schlussendlich in einem Burnout. Josefs Ziel war es, diese Erkrankung nie mehr zu erleben. Wir arbeiteten an seiner Selbstwirksamkeit bezogen auf seine Psyche und seinen Körper. Therapeutische TA Konzepte wie neue Skriptentscheidungen, das Bewusstmachen von inneren Dialogen als Selbsterkenntnis, Erlaubnisarbeit und Neuentscheidungen sichern seine psychische und körperliche Stabilität bis heute.
In diesen drei Beispielen aus meiner therapeutischen Arbeit zeigt sich, dass ein Zusammenbruch durch langanhaltendes krisenhaftes Erleben auch wieder zu einem Neubeginn mit mehr Stärke führen kann. Doch es stellt sich immer wieder die Frage, ob Menschen erst durch Krisen lernen ihr Leben zu ändern und ihre Überlebensstrategie in eine Lebensstrategie umzuwandeln. Zeigen sich in unserem Körper oder in unsere Psyche erst einmal Symptome, die sich bei Nichtbeachtung verstärken, dann ist es sinnvoll, sich mit sich selbst auseinander zu setzen, um eventuell alte Pfade zu verlassen und einen Neubeginn zu wagen und sich dem Leben voll und ganz zu widmen.
Die Transaktionsanalyse bietet hier viele sinnvolle Konzepte an, wie dies möglich werden kann.
Gerade beim Vorliegen von psychosomatischen Erkrankungen ist es mittels Handwerkszeugen der TA wie beispielsweise Antreiber, Skript, Maschensystem (Skriptzirkel), innerer Dialog durch Stuhlarbeit, um nur einige zu nennen, gut möglich, den Kreislauf der psychosomatischen Abläufe zu durchbrechen. Dabei ist es erst einmal nicht so wichtig, wo der Kreislauf durchbrochen wird. Unsere Patienten teilen uns Lösungsansätze meistens auch direkt am Beginn der Therapie mit (the power is in the patient). Wenn wir aufmerksam zuhören, erhalten wir die Lösung schon früh von Seiten der Patienten. In der Analyse des Lebensskripts werden neben den Glaubenssätzen auch die Erinnerungen an frühere Situationen mit entsprechenden Körpergefühlen erfasst. Diese Erinnerungen und Körpergefühle haben zu den unbewussten Skriptentscheidungen und zu den Verhaltensmustern geführt, die beide durch Neuentscheidungen verändert werden können. Dadurch verändern sich auch meistens die Körpersymptome. Da Psyche und Körper wie die zwei Seiten einer Münze mit Wechselwirkungen und Anhängigkeiten sind, ist die gegenseitige Beeinflussung erklärlich. Ob zuerst mit der Arbeit an der Psyche oder mit der Behandlung der körperlichen Symptome begonnen wird, entscheidet die Dringlichkeit unter der die Patienten vermehrt leiden. Wenn z. B. die psychische Symptomatik so ausgeprägt ist, dass ein Abgleiten in die Psychose oder den Suizid möglich ist, muss mit der psychischen Arbeit begonnen werden. Umgekehrt, wenn körperliche Symptome so stark ausgeprägt sind, z. B bei einer Krebserkrankung oder einem akuten Herzinfarkt, dass es bei Nichtbeachtung zu irreversiblen Schäden kommt, muss natürlich als erstes mit der Behandlung der körperlichen Symptome begonnen werden. Selbstverständlich sollte, sobald die jeweilige Situation soweit beherrscht ist, anschließend Psyche, beziehungsweise Körper direkt mit einbezogen werden. Denn, Psyche und Körper sind ein voneinander abhängiges System welches sich ergänzt. Vorstellungen über sich, die anderen, die Welt sind innere Bilder die wir alle in uns tragen und die unser Denken, Fühlen und Handeln bestimmen. Ideen und Visionen von dem was wir sind, was wir erstrebenswert finden und was wir vielleicht einmal erreichen wollen sind weitere Ziele, die nach einem Zusammenbruch einen Wiederaufbau gut gelingen lassen.
Aufbruch und Neubeginn durch Neuentscheidung und Umorientierung kann zu neuen Perspektiven führen und zu einem neuen Gesundheitsempfinden körperlich wie psychisch beitragen.

Literatur
Berne, E. (1972) Sprechstunden für die Seele; Reinbek bei Hamburg Rowohlt
Berne, E. (1975) Was sagen Sie, nachdem Sie guten Tag gesagt haben? Frankfurt: Fischer TB
Berne, E. (1970) Away from a theory of the impact of interpersonal interaction on non-verbal participation TAJ1, No.1 • Erskine, R. (1977) Integrative Psychotherapy Articles; Script Cure TA Press USA
Faulstich, J. (2012) Das Geheimnis der Heilung; Knaur München
Frohme, G. (2020) Wie die Seele den Körper heilt; Trias Stuttgart
Frohme, G. (2020) Corona; Wie Sie die psychischen Herausforderungen meistern; Trias Stuttgart
Frohme, G. (1/2017) Psychosomatik und Transaktionsanalyse; Zeitschrift für Transaktionsanalyse Junfermann Verlag; ISSN Print 1869-7712
Goulding, B. (1981) Neuentscheidung - Ein Modell der Psychotherapie; Klett-Cotta Stuttgart
Rankin,L (2014) Mind over Medicine, Kösel München





Gabriele Frohme
Approbierte Psychotherapeutin (Tiefenpsychologie) und Heilpraktikerin und seit 30 Jahren in eigener Praxis tätig (Verbindung von naturheilkundlichen Verfahren wie die klassische Homöopathie mit Psychotherapie und Körperarbeit)
TSTA Psychotherapie und Beratung
Fortbildungen in Gesprächstherapie, Gestalttherapie und Bioenergetik
Arbeitet als Supervisorin und Lehrtherapeutin, sowie Mediatorin
Praktiziert seit Jahrzehnten die japanische Kampfkunst Aikido und hat mehrere Meistergrade erworben

www.ta-wuppertal.de
frohme@ta-wuppertal.de
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artikelmärz2021

«Stirb- und Werdeprozesse»
aus astrologischer und TA-Sicht

Autoren: Silvia Scherzinger und Karl Oberhauser – Wir leben in aussergewöhnlichen Zeiten. Eine neue Ära ist seit dem 12. Januar 2020 eingetreten, als sich Saturn und Pluto im Tierkreiszeichen Steinbock trafen. Ein Zusammentreffen von langsam laufenden Planeten (Konjunktion) läutet immer eine wichtige Zeit oder sogar einen Zeitenwandel an. Langsam laufend bedeutet, dass diese Planeten sich nur gemächlich fortbewegen und über einen längeren Zeitraum intensiv wirken. Ausserdem ist eine Konjunktion immer ein Startschuss für einen neuen Zyklus, während ein alter zu Ende geht. Wichtig erscheint an dieser Stelle zu sagen, dass in der Astrologie nicht davon ausgegangen wird, dass beispielsweise die einzelnen Planeten Einfluss auf uns haben. Sie sind vielmehr als Symbole einer Sprache zu verstehen, wie universelle Energieprinzipien auf und in uns wirken.
Saturn und Pluto begegnen sich zwar alle 32-37 Jahre, doch im Tierkreiszeichen Steinbock war das letzte Treffen am 3. Januar 1518. Damals wurde mit den Thesen von Martin Luther die Reformation eingeläutet. In der Vergangenheit sind grosse Weltereignisse immer mit Pluto-Saturn-Zyklen einhergegangen.
Saturn steht in der Astrologie für Struktur, Gesetze, Regeln, Verantwortung, Pflicht, das gesellschaftliche Leben, aber auch für Geduld, Konzentration, Schuld und Hemmung. Ausserdem ist Saturn der Herrscher über den Steinbock.
Pluto hingegen wird mit Gewalt, Zerstörung, Macht und Ohnmacht in Verbindung gebracht, aber auch mit Tiefgründigkeit, Loslassen und Transformation; wie der Phönix, der aus der Asche steigt.
Das Zusammentreffen von Saturn und Pluto im Januar 2020 hat eine wichtige Zeit eingeläutet, auf kollektiver und persönlicher Ebene. Bis November 2020 standen die beiden Planeten im Steinbockzeichen, wirken aber als Wandlungsprozess noch heute. Im persönlichen Horoskop (Radix) ist ersichtlich, in welchen Lebensbereich diese bedeutende Konstellation des letzten Jahres mit seinen Themen und Herausforderungen für jeden einzelnen Menschen fiel. Ein gemeinsamer Nenner jedoch war, dass damals die Angst vor dem Coronavirus sich schnell zu einer weltweiten Krise entwickelte.


Angstgefühle kennt jeder Mensch und löst jeweils ein Stirb- und Werde Prozess aus. (Saturn/Pluto) Da sind Befürchtungen, was die Zukunft betrifft, Angst etwas oder jemanden zu verlieren, Angst zu versagen, Angst bestraft zu werden, Angst arbeitslos oder krank zu werden, usw. Jeder erlebt Angstgefühle unterschiedlich. Auch sind die jeweiligen Bewältigungsstrategien der Angst sehr individuell.
Angstgefühle oder blockierende Eigenschaften, die sich im persönlichen Horoskop als hemmende Planetenkonstellationen oder Aspekte zeigen, lassen sich auch auf die Transaktionsanalyse übertragen, wo sie als Bannbotschaften oder Antreiber bezeichnet werden.
Bannbotschaften
Bannbotschaften sind in der Transaktionsanalyse unausgesprochene Einschärfungen oder Anweisungen, welche Eltern und Erzieher subtil an ihr Kind herantragen. Das Ziel der Bannbotschaften liegt darin, im Kind auf nonverbaler Basis ein bestimmtes Verhalten zu aktivieren oder es in eine gewünschte Richtung zu leiten.
Schon in den ersten Lebensjahren erhält ein Kind von seinen Eltern und Bezugspersonen verschiedene Botschaften, in welchen es erfährt, dass gewisse Eigenschaften oder Verhaltensweisen von ihm unerwünscht resp. nicht akzeptabel sind. Diese Botschaften lösen im Kind verschiedene existenzielle Ängste aus, wie z.B. Angst vor Zurückweisung, Angst vor Versagen, Angst vor Trennung. Ein Kind, das Angst haben muss, von den Eltern nicht geliebt zu werden, hat auch Angst, zurückgewiesen und verlassen zu werden. Da ein Kind so sehr von der Zuwendung und der Akzeptanz der Erwachsenen abhängig ist, reagiert es sehr sensibel, wenn es direkt oder indirekt Ablehnung oder Entwertung erfährt. In der Folge eignet es sich einen unbewussten Schutz- und Anpassungsmechanismus an, der jedoch für die Entfaltung und Entwicklung des Kindes sich früher oder später eher hemmend auswirkt.
In Momenten, in welchen das Kind elterliche Einschärfungen wahrnimmt, bleiben stets wunde Punkte, Komplexe oder Minderwertigkeitsgefühle zurück. Bannbotschaften haben daher einen enorm starken Einfluss auf die Persönlichkeitsentwicklung des Kindes resp. bestimmen unbewusst seine Befindlichkeit, seine Verhaltensweise und Glaubensmuster.
Ebenfalls haben Bannbotschaften einen enorm starken Einfluss auf das Selbstwertgefühl des Kindes. Schon ein vorwurfsvoller Blick genügt, dass sich das Kind unverstanden, abgelehnt oder blossgestellt fühlt. Eine abwertende Haltung von nahen Menschen, welche das Kind liebt oder von denen seine Existenz abhängig ist, sind besonders schmerzvoll und verletzend. Durch das herabgesetzte Selbstwertgefühl glaubt das Kind nicht zu genügen und fühlt sich minderwertig und nicht liebenswert. Gleichzeitig gehen Gedanken durch seinen Kopf wie: “Ich bin ein Versager, ich bin unwichtig, ich bin wertlos, ich bin nicht o.k.“
Bannbotschaften bleiben im Kind vielfach als sogenannte Lebensskripte zurück, die sein weiteres Leben prägen.
Im Buch „Die Transaktionsanalyse“ von Jan Stewart und Vann Joines werden 12 Bannbotschaften beschrieben:
Astrologisch gesehen können diese Bannbotschaften jeweils einem Tierkreiszeichen oder Planetenprinzipien und ihren Eigenschaften zugeordnet werden. Im persönlichen Radix sind diese Themen durch die Stellungen der Planeten zueinander und den Tierkreiszeichen, etc. sichtbar. Astrologie ist sehr komplex und vielschichtig. An dieser Stelle können darum nur ein grober Überblick und einzelne Facetten aufgezeigt werden. Allfällige scheinbare Widersprüche sind dieser Unmöglichkeit auf Vollständigkeit geschuldet.


1. «Werde nicht erwachsen!» Widder (Willenskraft, Impulsivität, Energie, Mut, Tatendrang)
2. «Lass das!» Stier (Sinnlichkeit, Genuss, Beharrlichkeit, Sicherheitsstreben)
3. «Denke nicht!» Zwillinge (Geist, Witz, Lernfreude)
4. «Fühle nicht!» Krebs (Gefühlsbetontheit, Eigenwilligkeit, Geborgenheit, Nähe)
5. «Sei nicht wichtig!» Löwe (Glanz, Grosszügigkeit, Mittelpunktstreben)
6. «Sei nicht gesund!» Jungfrau (Genauigkeit, Nützlichkeit, Unterscheidungssinn)
7. «Sei nicht du selbst!» Waage (Sinn für Schönheit, Harmonie, Ausgleich)
8. «Sei nicht normal!» Skorpion (Zersetzung, Grenzsituationen, bohrende Fragen)
9. «Schaffs nicht!» Schütze (Freiheitsliebe, Unbekümmertheit, Bewegungsfreude)
10. «Sei kein Kind!» Steinbock (Durchhaltevermögen, Ehrgeiz, Zielbewusstheit, Stolz)
11. «Sei nicht nahe/zugehörig!» Wassermann (Kommunikation, Humanität, Brüderlichkeit)
12. «Sei nicht/existiere nicht!» Fische (Sensibilität, Hilfsbereitschaft, Mitgefühl, schwer fassbar)


Durch Bannbotschaften wird im Kind jeweils auf nonverbaler Basis ein bestimmtes Verhalten aktiviert.
Saturn steht in der Astrologie für Grenzen und Widerstände die wir erfahren und mit ihnen umgehen lernen sollen. Er verkörpert dadurch auch Struktur, Gesetze und Verantwortung, lehrt uns aber dadurch auch Beharrlichkeit und Widerstandskraft aufzubauen. Saturn wird insofern mit den Bannbotschaften in Verbindung gebracht, als er hier das blockierende Element in Bezug auf eines anderen Planetenprinzips darstellt.
Die Botschaft „Werde nicht erwachsen!“ wird mit den Planeten Mars und Saturn, sowie dem Sternzeichen Widder in Verbindung gebracht. Dem Kind wird ein ganz bestimmtes Verhalten anerzogen. Mars steht in der Astrologie ähnlich wie Widder für Wille, Durchsetzung, Initiative und Handeln, einem eigentlich natürlichen Verhalten des Kindes, das nun aber in Kombination mit Saturnenergie stark bevormundet wird und keine Eigeninitiative, Willens- oder Durchsetzungskraft entwickeln, geschweige denn seine eigene Meinung vertreten darf.
„Lass das!“ Botschaften sind z.B. Ermahnungen oder Verbote welche Eltern aus übertriebener Sorge, Angst oder Absicht dem Kind gegenüber äussern. Das Kind wird sich dann nicht getrauen eigene Bedürfnisse und Wünsche zu äussern, was es gerne haben würde. Sicherheit und Genuss bleiben ihm verwehrt. Aus astrologischer Sicht werden hier das Tierkreiszeichen Stier und das Venusprinzip mit dem Saturn verbunden: Venus steht unter anderem für Genussfreude, Schönheit und Harmoniestreben, das nun blockiert wird.
Kinder mit der „Denke nicht!“-Botschaft sind unlogisch und kompliziert veranlagt. Merkur (und auch das Zeichen Zwillinge) stellt unter anderem den Verstand, das Denken und die Vernunft dar. Werden diese Eigenschaften blockiert kann dies beispielsweise auch dazu führen, dass Kinder in der Schule Schwierigkeiten haben, sich zu konzentrieren
„Fühle nicht!“ Kinder, sind oftmals Jungs, welche von klein auf stets getrimmt wurden keine Gefühle zu zeigen, um ja nicht als schwach oder verweichlicht zu scheinen. Astrologisch wird hier die Blockierung des Mondes angesprochen, welcher wie das Tierkreiszeichen Krebs unter anderem für Gefühle, Emotionen, Phantasie und auch die seelische Grundstimmung steht.
Die Botschaft „Sei nicht wichtig!“ ist eine starke Kränkung für ein Kind. Das Kind fühlt sich zu wenig beachtet und anerkannt. Es spricht leise und wird vermeiden sich in den Vordergrund zu spielen. Aus astrologischer Sicht ist hier das Sonnenprinzip, das auch mit dem Sternzeichen Löwe zusammenhängt, blockiert: es bezeichnet den Wesenskern eines Menschen, sein zentrales Anliegen und sein inneres Selbst.
Vernimmt ein Kind die Botschaft „Sei nicht gesund!“, so glaubt es, die meiste Zuwendung zu erlangen, wenn es krank ist oder wenn es ihm gesundheitlich nicht gut geht. Ein blockierter Chiron, der für den «verwundeten Heiler» und somit ganz generell für das Thema Gesundheit steht, führt oft dazu, dass solche Kinder diffuse Beschwerden oder psychosomatische Erkrankungen haben.
Bei der „Sei nicht du selbst!“ Botschaft darf das Kind nicht so sein und sich zeigen, wie es ist oder gerne sein möchte: z.B. in der Beziehung, Kleiderwahl, Frisur. Auch glaubt es zu wenig hübsch zu sein. Hier kommt wieder die Venus, zusammen mit dem Zeichen Waage ins Spiel, in diesem Zusammenhang wird der Schönheitssinn, das ästhetische Empfinden blockiert.
Der Planet Jupiter steht gemeinsam mit dem Sternzeichen Schütze für Glück, Erfolg, der Suche nach einem individuellen Sinn und Ziel im Leben, aber auch beispielsweise für Überschwänglichkeit. Wird dies nun durch Saturnenergie blockiert, drückt sich dies in der „Schaffs nicht!“ Botschaft!“ aus und sagt dem Kind auf nonverbaler Basis, dass es seine Ziele nicht erreichen darf. Oder kein Glück und keinen Erfolg verdient hat.
Die Botschaft „Sei nicht normal!“ vermittelt dem Kind stets das Gefühl von Ohnmacht und ausgeliefert sein oder Andersartigkeit, z.B. sexuelle Zugehörigkeit. Hier wird das Mondthema, also die Gefühle, Emotionen, die Empfindungsweise nicht von Saturnenergie blockiert, sondern wird mit Pluto, welcher unter anderem für den Umgang mit Macht, Ohnmacht steht, aber auch für die Fähigkeit zu radikaler Veränderung und Erneuerung: Stirb und werde. Gleichzeitig besteht der Bezug zum Zeichen Skorpion, das unter anderem mit Grenzsituationen und der Zersetzung zu tun hat.
Die «Sei kein Kind!» Botschaft bewirkt, dass schon kleine Kinder sich sehr erwachsen geben und für die Familie und ihre Geschwister stets viel Verantwortung übernehmen. Astrologisch wird dies mit einer Blockade der Mondenergie, die neben Gefühlen und Empfindungen auch für das Kindsein steht, sowie mit dem Sternzeichen Steinbock in Verbindung gebracht.
Kinder, welche die «Sei nicht nahe/zugehörig!» Botschaft verinnerlicht haben, haben Mühe, längere Zeit intensive Zweisamkeit zuzulassen oder auszuhalten, da sie sich stets zurückgewiesen und als Aussenseiter fühlen oder nicht als die wirklichen Kinder ihrer Eltern. Auch hier ist der Mond im Spiel, jedoch im Zusammenhang mit Uranus, der in diesem Zusammenhang unter anderem für das Thema der Befreiung, der Bereitschaft, neue Wege zu gehen steht.
Bei der «Sei nicht, existiere nicht!» Botschaft, wird dem Kind eine ablehnende Haltung vermittelt. Das Kind fühlt sich von den Eltern ignoriert und übergangen. Mit der Zeit glaubt das Kind sogar, dass es für die Eltern besser wäre, wenn es gar nicht existieren würde. Diese Botschaft ist die Bedrohlichste von allen. In der Astrologie zeigt sich diese Bannbotschaft durch eine Verbindung zwischen Mond und Neptun, der für die Themen Täuschung, Illusion, Übersinnlichkeit, aber auch bedingungslose Liebe steht.
Um innere Kränkungen und Verletzlichkeiten wieder auszugleichen, entwickelt das Kind mittels der sogenannten Antreibern Strategien, um trotz der verinnerlichten Bannbotschaften von der Umwelt akzeptiert und geliebt zu werden. Deshalb schlüpft es gehorsam in die von den Eltern unbewusst gewünschte Rolle hinein. Doch durch die angepasste Verhaltensweise kann das Kind nicht mehr seine wahre Individualität zum Ausdruck bringen.
Elterliche Richtlinien, Anweisungen und Moralvorstellungen werden vom Kind stets als Gehorsamsregeln aufgenommen, welche das so genannte „Gewissen“ bilden. Sobald das Kind in seine ursprüngliche Verhaltensweise zurückfällt und eigene Vorstellungen, Meinungen und Rechte vertritt, entwickelt es sofort Schuldgefühle. Schuldgefühle werden ausschliesslich durch Nichteinhaltung von eigenen oder fremden Forderungen und Erwartungen erzeugt. Auf diese Weise wird das Kind subtil manipuliert und fremdbestimmt. Längerfristig rufen Bannbotschaften und Antreiber jedoch stets zwanghafte und hemmende Verhaltensmuster hervor.
Wem seine inneren Antreiber jedoch bewusst sind, dem zeigen folgende Erlaubnissätze eine Möglichkeit auf, diese zu korrigieren:


anstatt immer perfekt sein zu müssen, darf ich o.k. sein, auch wenn ich Fehler mache.
anstatt mich immer anstrengen zu müssen, darf ich Erfolg haben, es darf mir gelingen.
anstatt lieb und gefällig sein zu müssen, darf ich eigene Überzeugungen haben, wichtig sein und meine Meinung vertreten.
anstatt immer stark sein zu müssen ist es o.k., wenn ich meine Gefühle zeige und ich auch einmal „schwach“ bin.
anstatt mich immer beeilen zu müssen, darf ich mir Zeit nehmen, mir gestatten zu verweilen und zu geniessen.


Wirklich verinnerlichte Erlaubnisse fühlen sich gut an und befreien uns von jahrelang falsch gedeuteten Überzeugungen und Glaubenssätzen. Durch Erlaubnissätze verwandeln wir unsere prägenden Verhaltensmuster und stärken gleichzeitig unser Selbstbewusstsein. Belastende Gefühle und Ängste weichen und auch unser falsches Selbstbild, das wir jahrelang mit Ersatzgefühlen, diversen Vermeidungstechniken, falschen Annahmen, Überzeugungen und unangepassten Reaktionsweisen mühsamst versuchten aufrechtzuerhalten, zerfallen zunehmend. Ebenso lösen sich langsam durch die Bewusstwerdung irrtümliche Informationen auf, wie z.B. Schuld-, Scham- und Versagensgefühle, die wir seit der Kindheit in unserer Seele gespeichert haben.


Transformation oder Stirb und Werde Prozesse (Saturn/Pluto oder Coronakrise)
Das Leben verläuft rhythmisch. Wachsen, Reifen und Vergehen ist das Gesetz der Natur. Denn nur indem du Altbewährtes loslässt und ein Wagnis eingehst, kann etwas Neues wachsen und sich entwickeln. Aus Sicht der psychologischen Astrologie bieten Blockierungen und Hindernisse eine Aufgabe, sich im Leben in bestimmten Themen weiter zu entwickeln. Dieser Wandlungsprozess wird Transformation genannt. Stirb- und Werde-Prozesse gehören zum Leben. Entwicklung und Wandlung geschehen erst, wenn ein alter ausgetretener Pfad verlassen und ein neuer Weg eingeschlagen wird.
Die Seele ist immerfort bestrebt, einen Ausgleich zwischen dem Jetzt, dem Vergangenen und der Zukunft herzustellen. Dabei versucht sie die äussere Situation mit unserem Denken und Fühlen zu verbinden, um so in Übereinstimmung mit unserm Tun und Handeln zu gelangen. Ist die Zeit reif, drängt sie zu einem Wandel, zu einer Veränderung.
Damit Erneuerung überhaupt stattfinden kann, sind jedoch Lebenskrisen unvermeidbar. Krisen gehen immer mit Veränderungen einher. Ohne Lebensherausforderungen, Niederlagen und Frustrationen würden wir Menschen uns nicht entwickeln. Behinderungen und Schwierigkeiten sind also notwendige Voraussetzungen, damit wir als Persönlichkeit überhaupt wachsen und reifen können. Jeder Mensch birgt die Sehnsucht nach Wachstum und Entwicklung in sich, um sein wahres Ich leben zu können. Mit dem Zusammentreffen von Saturn und Pluto im Steinbockzeichen im Januar 2020 wurde eine solche Krise ausgelöst. Sie zeigte sich insbesondere in der Coronakrise, die uns alle aufforderte, sich mit den Themen Blockierung und Veränderung auseinander zu setzen.
Solange du dich aber gegen Veränderungen sträubst und dich dem Erneuerungsprozess widersetzt, solange hält dich die Angst gefangen und solange erleidest du Schmerz und Leid. Leider ist es so, dass der Mensch immer zuerst Kummer und Leid erfahren muss, bis ihm langsam bewusst wird, dass seine bisherige Lebensführung so nicht mehr weitergehen kann und dass es nun an der Zeit wäre, etwas zu verändern.
Erst wenn du die notwendigen Schritte der Änderungen einleitest, kannst du erahnen, dass diese sich nicht nur negativ auf dein Leben auswirken, sondern auch deinem Heil dienen. Wandlung beginnt, wenn du dich dem Leben stellst, Veränderungen zulässt, Altes loslässt und mutig Neuland betrittst. Um im Leben beweglicher zu werden, musst du daher dich von alten Denk- und Verhaltensmustern verabschieden. Wenn du bereit für Erneuerungen bist, ebnest du dir den Weg für ein selbstbestimmtes Leben.


Die Lösung liegt nicht im Festhalten, sondern im Loslassen!
Dein Leben ist ein ständiges auf und ab und du pendelst zwischen bewahren und verändern, zwischen Altem und Neuem, zwischen Wollen und Müssen, zwischen Pflicht und Lust.
Bevor jedoch etwas Neues geboren werden kann, muss zuerst das Alte sterben. Wenn du bereit bist, die Vergangenheit loszulassen und dich vertrauensvoll auf Neues einlässt, dann kann ein Erneuerungsprozess stattfinden. Bei einer Erneuerung opferst du nur das, was mit deinem wahren Ich nicht stimmig ist und dem du entwachsen bist. Erneuerungsprozesse entwickeln sich langsam durch Loslassen und Neuorientierung.
Aktuelle Erneuerungsprozesse oder der Aufbau aus astrologischer Sicht
Aus astrologischer Sicht befinden wir uns aktuell in einer spannenden Zeit des Neuanfangs. Am 21.12.2020 begegneten sich Jupiter und Saturn im Wassermannzeichen. Ein Ereignis, das zeitnah mit einer Sonnen- und Mondfinsternis stattfand. Diese aussergewöhnliche Konstellation läutete eine neue Zeitenwende an, welche in den nächsten 20 Jahren global in der Gesellschaft sichtbar werden wird.
Das Wassermannzeichen steht für Erneuerung, für soziale und humanitäre Eigenschaften, wo es um persönliche Entwicklung, individuelle Freiheit (Meinungsfreiheit, Demokratie), neues Denken, Vernetzung, technische Entwicklung und gesellschaftliche Veränderungen, wie auch um Gleichgesinnte und Freundschaften geht. Nicht so wie während der Pluto/Saturn Konjunktion im Steinbock, wo nur noch bestimmte Ansichten und einseitige Expertenmeinungen akzeptabel waren, Grundrechte beschnitten wurden, diktatorische Massnahmen verhängt wurden und in den öffentlichen Medien kein Diskurs mehr Platz hatte.
Im persönlichen Horoskop ist ersichtlich, wie sich diese Konstellation für jeden einzelnen Menschen auswirkt und welche Lebensbereiche persönlich betroffen sind. Vor allem Widder, Krebs, Waage und Steinbockgeborene der dritten Dekade sind mit Herausforderungen aber auch Chancen von dieser Konstellation betroffen. Die Quersumme des Datums 21.12.2020 ist eine 10, resp. eine 1, was ebenfalls für einen Neuanfang steht.
Individuell betrachtet, ermöglicht die Jupiter/Saturn Konjunktion im Wassermann emotional und persönlich zu wachsen, das Bewusstsein zu erweitern, alte Prägungen (Bannbotschaften, Antreiber) loszulassen und auf die Signale unser wundervollen Seele zu achten, um unser aller innewohnendes Potenzial zu entfalten.
Silvia Scherzinger und Karl Oberhauser
Silvia Scherzinger ist gelernte Pflegefachfrau. Sie hat die Ausbildung in Transaktionsanalyse und in Astrologie absolviert und führt zusammen mit Karl Oberhauser in Wil die Praxis VitaBalance.
Zusammen haben sie den «Seelencode» entwickelt, eine Behandlungsmethode um belastende Lebens- und Ahnenthemen aufzulösen.
www.praxis-vitabalance.ch / www.seelencode.ch
info@praxis-vitabalance.ch
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