artikeljanuar2022

Strukturelle Paar- und Familienberatung und Transaktionsanalyse

© Jürg Grundlehner
Autor: Jürg Grundlehner | Bevor ich die TA kennen lernte, habe ich mich am 2-jährigen Lehrgang an der Schule für Soziale Arbeit in Zürich in systemischer Beratung weitergebildet. Später wurde mir bald einmal bewusst, wie sich die beiden Lehren wunderbar ergänzen.

Die klassischen transaktionsanalytischen Modelle orientieren sich an der Primärfamilie, aus der im Individuum Grundüberzeugungen über sich selbst, die andern und das Leben schlechthin wachsen und mit in die Gegenwart wirken. Und diese Gegenwartsrealität kann ich in der Beratung mit Paaren und Familien direkt miterleben. Die Systemische Paar- und Familienberatung ist daher gegenwartsbezogen. Anhand des Funktionsmodells kann ich die Transaktionen beobachten und unmittelbar eingreifen.

Berne beschrieb bei der Gruppenstruktur die Hauptgrenzlinie (zwischen der Gruppe und der Aussenwelt) und die Nebengrenzlinien (Grenzen zwischen den Gruppenmitgliedern). Er unterscheidet einfache und komplexe Gruppenstrukturen.
Die Familie ist auch eine Gruppe, und man kann die Konzepte der Gruppenstrukturen von Berne übernehmen. Eine einfache Struktur wäre Eltern und Kinder, eine komplexe Struktur wäre zum Beispiel: Vater, Stiefmutter, Kinder der Stiefmutter und Kinder vom Vater.
Hierarchie - dieser Begriff ist leider oft sehr negativ besetzt. Das hat mit eigenen negativ erlebten Erfahrungen zu tun. In Wirklichkeit beschreibt die Hierarchie Verantwortlichkeiten der Rollen und dient der Sicherheit. In familiären Strukturen sind funktionale Hierarchien von grosser Bedeutung. Es ist einleuchtend, dass die Eltern die meiste Verantwortung tragen.
Symbiose 2. Ordnung (---) bedeutet in dieser Familie: es wird versucht, Bedürfnisse der Mutter aus ihrer frühen Kindheit zu befriedigen, welche durch ihre damaligen Skriptbeschlüsse ausgeschlossen wurden. Der Sohn befriedigt also die frühen emotionalen Bedürfnisse der Mutter:
Anhand eines Beispiels aus meiner Praxis möchte ich aufzeigen, wie sich der Prozess vom Ich zum Wir bewegt, wie sich systemische Konzepte und TA ergänzen, wie sich dysfunktionale Gruppenstrukturen in Familien auswirken können und wie sie sich verändern lassen.
Die Familie XY
(Ich nenne den Vater Bruno, die Mutter Ruth, den Sohn Willi)


Erstkontakt mit Bruno
Bruno meldete sich telefonisch; er habe Probleme mit seiner Frau und möchte ein Gespräch. Auf die Frage, ob er seine Frau zum Gespräch nicht mitnehmen wolle, antwortete er, nein, er wolle vorerst lieber allein kommen. Wir vereinbarten ein erstes Gespräch.

Erstgespräch mit Bruno
Bruno erzählte mir: wie seine Frau ihn überhaupt nicht mehr verstehe, wie misstrauisch sie sei und dass sie ihn immer wieder mit Vorwürfen überhäufe. Neulich habe er etwas zu viel getrunken und sich dann entschlossen, auf dem Parkplatz vor einem Restaurant im Auto zu übernachten. Zu Hause habe er dies erklärt, schliesslich sei das ja besser als alkoholisiert zu fahren, das habe ihm seine Frau aber nicht geglaubt. Sie habe angenommen, dass er bei einer anderen Frau war, und schon hätte es wieder Streit gegeben. Dauernd diese Streitigkeiten halte er nicht mehr aus, er gehe jeweils wieder weg und lasse sich dann tagelang nicht mehr blicken. Auch der Sohn, den seine Frau mit in die Ehe brachte, mache ihm Schwierigkeiten, er mache was er wolle, und er als Vater habe überhaupt nichts zu sagen. Ich erklärte mich für eine Beratung bereit, wenn er mit seiner Frau komme und gab ihm meine Unterlagen, um dies mit der Frau zu besprechen. Wir vereinbarten, dass er sich wieder meldet, wenn er diese Angelegenheit mit seiner Frau besprochen hat.

Hypothesenbildung
Es sind strukturelle Probleme vorhanden, wie sie in Stieffamilien gehäuft auftreten. Nämlich, dass zwischen dem leiblichen Elternteil und dem Kind eine symbiotische Beziehung zustande kommt, aus der sich oft eine Koalition gegen den Stiefelternteil bildet. Bruno hat massive Alkoholprobleme entwickelt. Das Aufrechterhalten der Alkoholspiele dient dazu, in der Passivität zu bleiben, anstatt Lösungen zu suchen. Die Vermeidungsstrategien dienen möglicherweise allen Familienmitgliedern und erhalten den Status Quo des familiären Systems, was auch heisst, dass jedes Familienmitglied seine Skriptüberzeugungen nährt und verfestigt.

Erstes Beratungsgespräch mit Ehepaar XY
Ich nahm mir für das 1. Gespräch vor, Vertragsarbeit zu machen und meine Hypothesen zu überprüfen. Ruth erweckte einen sehr misstrauischen Eindruck, vorauf ich sie ansprach. Sie erklärte, dass sie nicht mehr daran glaube, dass ihr Mann wirklich etwas verändern wolle, vielmehr sehe sie in seiner Motivation, in die Beratung zu kommen, eine Alibiübung. Sie habe bereits zum zweiten Mal die Scheidung eingereicht und da habe er jeweils versprochen sich zu ändern, es seien aber leere Versprechungen gewesen, die nur so lange anhielten, bis sie die Scheidung wieder zurückzog. Sie beklagte, dass der Mann zu viel trinke, manchmal tagelang nicht nach Hause käme, und dass sie nur noch Ekel für ihn empfinde.

Kommentar (Einladung zum Gerichtssaalspiel)
Es wurde mir in diesem Gespräch immer unwohler und ich denke, dass dies mit Spieleinladungen an mich zu tun hatte. Es bahnte sich allmählich ein Gerichtssaalspiel an.
Da beide Partner mit der Überzeugung kommen, dass ihre Problemdefinition die richtige sei, versuchen beide, den Berater für sich zu gewinnen und eben als Richter einzuspannen. Ich will nun versuchen, anhand einer kurzen Sequenz von Transaktionen darzustellen, wie Einladungen, in das Gerichtssaalspiel einzusteigen, an mich gerichtet wurden.

(Transaktion 1) Berater zum Bruno: "Ja, hockst du denn in den Beizen rum, weil du es zu Hause nicht schön hast?"

(Transaktion 2) Bruno zum Berater: "Was soll ich sagen, ......ich will dem Streiten ausweichen, ich mag nicht streiten, und......"

(Transaktion 3) Ruth zum Bruno: "Also weisst du, du musst es nicht so hinstellen. Dir ist es dann einfach egal".

(Transaktion 4) Ruth zum Berater: "Ihm ist dann alles egal, er geht dann nicht nur nicht heim, sondern geht dann auch nicht mehr zur Arbeit."

(Transaktion 5) Bruno zu Ruth: "Ich war schon am Arbeiten, ich war nur nicht im Büro, denn bei mir spielt es keine Rolle, ob ich im Büro bin oder nicht, da war ich eben auswärts auf einer Baustelle."

(Transaktion 6) Ruth zum Bruno: "Erzähl doch keinen Unsinn, ich habe nämlich mit Y gesprochen, und ich weiss genau, dass Du nicht gearbeitet hast."

(Transaktion 7) Bruno, die Hände verwerfend an Berater: "Das ist wieder so etwas, das ist etwas, das mich rasend macht, wenn sie sagt ich hätte nicht gearbeitet. Ich habe nämlich immer 3-4 Baustellen zu betreuen, und sie kann ja gar nicht wissen, welche ich besuche. Ich weiss doch selbst, was ich tue. Auch wenn sie manchmal etwas felsenfest behauptet, das sie gar nicht wissen kann, dann bekommen wir zum Beispiel Streit, nur weil sie von ihrer Sicht dermassen überzeugt ist. Dann müsste ich im Prinzip lügen nur damit es nicht Streit gibt. Das ist etwas, was ich nicht begreife."

Kommentar
In der Transaktion 4 sprach mich Ruth auf der Eltern-Ich-Ebene an was eine ähnliche Atmosphäre ergab, wie wenn eine Mutter mit dem Berater über ihren unartigen Jungen spricht. Dadurch wollte sie mir zeigen, dass der Mann das Problem sei. Sie versuchte mich als Richter einzuladen, mich mit ihr gegen ihn zu verbünden. In Transaktion 7 versuchte auch Bruno, mich in die Rolle des Richters einzuladen.
An dieser Stelle möchte ich auf den Begriff «Allparteilichkeit» eingehen.

Allparteilichkeit
Die Arbeit mit Paaren und Familien braucht viel Geschick. Der Berater/die Beraterin muss darauf achten, nicht Partei zu werden. Das heisst, der Berater sollte für alle Teilnehmenden Partei sein und sich in die Bezugsrahmen der Einzelnen einfühlen Die marsische Haltung (Ich komme vom Mars und weiss nicht, was die Menschen hier tun) ist sehr hilfreich, dass sich alle verstanden und gehört erleben. Wenn der Berater Partei nimmt für eine Seite, dann muss er für einen guten Ausgleich sorgen. Gelingt dies nicht, wird die Beratung bald einmal von der Person abgebrochen, die sich nicht genug gesehen fühlt.

Der harte Vertrag mit Ehepaar XY
Es zeigte sich im Verlauf des Gesprächs, dass auch Ruth dazu neigte, in schlechten Stimmungen zu trinken. Wir konnten die Abmachung eingehen, dass beide in den nächsten Wochen ganz auf Alkohol verzichten. Der Vertrag 0,0-Alkoholkonsum für beide war wichtig, damit die Alkoholspiele unterbrochen wurden. Der Nutzen dieser Alkoholspiele war die Vermeidung, andere Problemkreise zu betrachten. Wir konnten den 0,0-Vertrag immer wieder erneuern und er wurde meines Erachtens eingehalten. So konnten wir vereinbaren, dass beide Partner nach unerledigten Geschichten suchten, sie aufschrieben und in je einen Briefumschlag versorgten. Diese unerledigten-Geschichten-Umschläge wurden dann nach Prioritäten nummeriert und jeweils an die Sitzungen mitgenommen. Auf diese Weise konnten wir allmählich auf die unter den Alkoholspielen verborgenen Problemkreise kommen.
Entscheidend wichtig war auch, dass das Paar während 30 Stunden an einer TA-Selbsterfahrungsgruppe teilnahm und dort an individuellen und Paar-Themen arbeitete.

Lebensgeschichtlicher Hintergrund von Ruth
Ruth ist 33 Jahre alt. Sie wurde als Älteste von 3 Kindern geboren und musste sehr früh Verantwortung für die jüngeren Geschwister übernehmen. Die Eltern betrieben zusammen ein kleines Geschäft und konnten daher wenig Zeit für die Kinder aufbringen. Ruth konnte sich erinnern, dass sie von der Mutter auch immer wieder den Leuten vorgezeigt wurde, wie vernünftig, verantwortungsbewusst und vorbildlich sie doch sei. Mit 15 Jahren wurde sie schwanger und gebar einen Sohn. Dieses Erlebnis war für sie sehr einschneidend. Sie wurde von der Schule verwiesen und kann noch heute die verurteilenden Blicke gefühlsmässig erinnern. Als sie 16 Jahre alt war, erlebte sie die Scheidung ihrer Eltern. Loyalitätskonflikte kamen nun noch dazu. Sie war auf die Mutter angewiesen, die, während sie einer Arbeit nachging, zum kleinen Sohn schaute. Beide Eltern benutzten sie, um sich gegenseitig gegeneinander auszuspielen. Mit all ihren Ängsten und Nöten fühlte sie sich allein und unverstanden. Aus dem vorbildlichen kleinen Mädchen, das allzu früh erwachsenen sein musste, entwickelte sich eine ängstliche, unsichere junge Frau, die es vermied, unter Leute zu gehen, da sie deren vermeintlich verurteilenden Blicken ausweichen wollte.

Skriptüberzeugungen: Das Leben ist hart, mir steht nichts zu, ich muss nur für die anderen da sein. Ruth sagte an einer Sitzung: "Was hatte ich bis jetzt schon vom Leben? Ich musste vor allem Verantwortung tragen, für andere da sein. Lohnt es sich überhaupt?" Vor einigen Jahren machte sie einen Suizidversuch mit Tabletten.
Lebensgeschichtlicher Hintergrund von Bruno
Bruno ist 43 Jahre alt. Er ist das 5. Kind von insgesamt 8 Kindern. Ausserdem ist er das 1. Kind von der zweiten Frau (komplexe Familienstruktur). In der grossen Familie, die einen kleinen Bauernhof bewirtschaftete, gehörten finanzielle Probleme zum Alltag. Der Vater griff oft zur Flasche, wenn er nicht mehr über den Berg sah. Über Probleme wurde aber nicht gesprochen. Die Beziehungen waren funktional und distanziert, eher eine Zweckgemeinschaft. Es stand viel Arbeit an und man musste zupacken.

Skriptüberzeugungen: Das Leben besteht aus Arbeit und ich muss schauen, dass ich den Mann stelle, ich darf keine Schwäche zeigen. Der Terminkalender muss stets überfüllt sein.
Tatsächlich kommt es oft vor, dass Bruno morgens bereits um 3.00 Uhr in den Betrieb fährt. Tagsüber ist er dann mit seinen Terminen voll ausgelastet und am Abend schläft er ein, kaum ist er zu Hause.

Beziehung von Bruno zu seinem Stiefsohn Willi: Die beiden gingen sich aus dem Weg, wenn immer es möglich war. Wenn Bruno zu Hause war, suchte Willi das Weite und umgekehrt. An den Wochenenden war Willi meist weg und nicht selten kam er betrunken nach Hause.

Kommentar und Hypothese
Weil ich es in Stieffamilien oft erlebe, dass der leibliche Elternteil eine Koalition mit dem Kind eingeht, was zu massiven Symptomen bei allen Beteiligten führen kann, schlug ich ein erstes Familiengespräch vor. Im Weiteren bildete ich mir anhand der Geschichte von Ruth die Hypothese, dass es sich bei der Beziehungsstruktur zwischen Sohn und Mutter um eine Symbiose 2. Ordnung handeln könnte. Diese Hypothese wollte ich überprüfen.
Beispiele aus zwei Familiengesprächen mit Familie XY


Mit folgenden zwei Beispielen möchte ich zeigen, dass meine Hypothesen zutrafen. Gleichzeitig lässt sich daraus erkennen, wie ich mit Familien, deren familiäre Struktur dysfunktional ist, arbeite.

Erstes Beispiel
Berater zum Willi: "Du hast gesagt, es seien Spannungen in der Familie wegen deinem Zeugnis und wegen deinen Ausgängen."

Willi zum Berater: "Aber nicht nur wegen mir, nicht nur wegen mir sind Spannungen da."

Berater zum Willi: "Meinst du, es sind auch Spannungen zwischen Mutter und Vater?"

Willi zum Berater: "Vor allem, die Spannungen zwischen ihnen sind viel grösser."

Berater zu den Eltern: "Ist die Einschätzung von Willi richtig?"

Ruth zum Berater: "Von mir aus gesehen schon."

Bruno zum Berater: "Ich sehe es auch so."

Berater zum Paar: "Wenn die Spannungen euch als Ehepartner betreffen, dann gehören sie in die Paarberatung."

Eltern zum Berater: "Ja, sie betreffen uns als Paar und der Willi hat daran keine Schuld."

Berater zum Willi: "Also die Schwierigkeiten, die deine Eltern als Ehepartner haben, werden wir in der Paarberatung bearbeiten, du hast nichts damit zu tun. Du bist allenfalls von der Stimmung betroffen, die dann zu Hause herrscht."

Willi zu Berater: "Ja, und diese ist gegenwärtig sehr aggressiv."

Kommentar
Es ist wichtig die Ebene Paarbeziehung von der Ebene Familie abzugrenzen. Diese Interventionen sollten auch eine gewisse Modellfunktion aufweisen. Es soll deutlich werden, dass es zwischen Subsystemen Grenzen gibt, die zu beachten sind. Symptombildung der Familienmitglieder haben oft mit dem Nichtbeachten dieser Grenzen zu tun.

Zweites Beispiel
Willi zur Mutter: "Ja gut, ich bringe mal ein Beispiel: wenn es dir zum Beispiel schlecht geht, und das kommt oft vor, dass es dir schlecht geht, meistens ist er weg und du sitzt zu Hause und es geht dir schlecht, trinkst ein Glas Wein und bist wirklich am Boden zerstört, dann komme ich zu dir und frage, was ist. Dann haben wir jeweils auch 2-stündige Gespräche miteinander und ich gehe auf dich ein, oder?"

Mutter zum Willi: "Ja, aber dann habe ich dir jeweils einfach mein Herz ausgeschüttet, und da kannst du sehr gut auf mich eingehen."

Berater zum Willi: "Du gehst dann auf deine Mutter ein, wenn es ihr schlecht geht, wenn sie den "Moralischen" hat, wenn sie das Bedürfnis hat, ihr Herz auszuschütten?"

Willi zum Berater: "Ja, ......den "Moralischen" hat sie ziemlich oft, das ist nicht so schlimm, aber wenn das passiert, dass sie bei mir das Herz ausschüttet, dann ist etwas passiert."

Berater zum Willi: "Warum denkst du, geht deine Mutter, wenn sie das Herz ausschütten will, nicht zu deinem Vater?"

Willi zum Berater: "Ich sage ihr das manchmal, sie solle zu ihm gehen aber, ich weiss auch nicht, da sagt sie, sie könne das nicht."

Berater zur Familie: "Was ist denn mit dem Vater?"

Bruno zum Berater: "Wenn sie den "Moralischen" hat ist es wahrscheinlich dann, wenn ich herum hocke, dann kann sie ja nicht mit mir reden, wenn ich nicht da bin. Dann führen wir meistens 2 Tage später ein Gespräch, oder?"

Ruth zum Bruno: "Nein, wir sprechen nicht miteinander, wir streiten miteinander und dann irgendwann gibt es wieder Frieden und dann sprechen wir nicht mehr darüber, so ist es."

Berater zum Willi: "Ich denke schon, dass die Partner die Verantwortung übernehmen sollten, wenn sie Schwierigkeiten und Krisen zu bewältigen haben. Sie haben sich ja auch als Partner gewählt."

Willi zum Berater: "Ja für mich ist es manchmal schwierig, wenn sie mir Sachen über ihn anvertraut und ich sage ja, ja und höre zu, denke, jetzt darfst du ja nichts sagen, auch wenn ich es anders sehe. Am anderen Morgen fühle ich mich dann sehr unbehaglich, wenn ich ihm begegne, da weiss ich kaum, wie ich mich verhalten soll. Wenn sie auch noch anwesend ist, habe ich immer das Gefühl, sie erwarte von mir, ich sollte jetzt etwas Wichtiges sagen."

Berater zum Willi: "Du kommst in eine schwierige Rolle, die dir eigentlich gar nicht zusteht."

Ruth zu Willi: "Also ich habe von dir nie erwartet, dass du etwas zu ihm sagst."

Willi zur Mutter: "Nein, weisst du, wenn du wütend bist über ihn, dann machst du ihn ziemlich schlecht, und dann, wenn ich ihm begegne, und ich habe dir vielleicht recht gegeben, ihm kann ich dann nicht mehr in die Augen schauen, weil ich dir recht gegeben habe und ihm nicht, weil ich mit ihm trotzdem anständig bin und nicht irgendwie reagiere."

Mutter: "Aha!"

Berater zum Willi: "Es entsteht eine gefühlsmässige Verbindung zwischen dir und deiner Mutter, die sich gegen den Vater richtet, und das bringt dich in eine schwierige Situation. Darum glaube ich, dass du dort am falschen Platz bist."

Willi zum Berater: "Schon, aber ich finde es trotzdem wichtig, denn da sind wahnsinnige Spannungen im Haus, die kann ich dann etwas lindern."

Berater zu den Eltern: "Wie ist das für euch, wenn ihr jetzt hört, wie es Willi geht?"

Bruno zum Berater: "Das habe ich gar nicht gewusst, dass das in diesem Rahmen stattfindet."

Ruth zum Berater: "Das habe ich mir gar nicht überlegt, dass er zwischen Stuhl und Bank sitzt, aber jetzt wo er das so sagt, verstehe ich das."

Berater zu Ruth: "Dazu sind sicher Gespräche notwendig, denn viele Dinge werden uns nicht bewusst, wenn wir uns nicht mitteilen."

Berater zum Bruno "Und du hörst das zum ersten Mal?"

Bruno zum Berater: "Ja, dass das in diesem Ausmass stattfand, das war mir nicht bewusst."

Ruth zum Bruno: "Also, dass ich ihm oft mein Herz ausschüttete, und er mich viel unterstützte, das solltest du eigentlich wissen, habe ich dir schon oft gesagt, aber du hörst mir ja nicht zu."

Bruno zu Ruth: "Dass ihr miteinander redet über mich, das habe ich schon gewusst, aber dass er in eine Situation kommt, dass er mir fast nicht mehr in die Augen schauen kann, das habe ich nicht gewusst."

Berater zu den Eltern: "Also es scheint besonders wichtig, dass ihr die Schwierigkeiten der Paarbeziehung bearbeitet. Sonst wird eben euer Sohn in den Paarkonflikt mit hineingezogen und die familiäre Ordnung steht auf dem Kopf."

Willi zum Berater: "Es ist nicht so, dass es für mich so eine riesige Belastung ist, wenn ich meine Mutter tröste, ich mache dies ja von mir aus, gehe auf sie zu und frage, was hast du denn."

Berater zum Willi: "Das glaube ich dir schon, es ist ja sogar möglich, dass du auch ein wenig stolz bist auf diese Rolle, und trotzdem finde ich, dass dies nicht dein Platz ist."

Willi zum Berater: "Ja ich habe auch schon gedacht, jetzt gehe ich nicht, aber dann habe ich oft Angst, dass sie eine Dummheit macht, das hat sie ja auch schon............."

Mutter zum Willi: "Ja, aber das ist schon lange her und das war blöd von mir."

Willi zur Mutter: "Ja, aber einmal ist schon zu viel."

Berater zum Willi: "Also du hast Angst um deine Mutter, und deine Mutter hat Angst um dich."

Willi zum Berater: "Ja, aber meine Angst ist begründet."

Berater zu Willi: "Die Mutter sagt auch, ihre Angst sei begründet. Wahrscheinlich sagt ihr beide dasselbe, nämlich: "Meine Angst ist begründet, aber deine nicht."

Berater zum Bruno: "Bruno, eigentlich bist du sehr wichtig hier, vertausche doch bitte deinen Platz mit dem Platz von Willi."

Bruno setzte sich neben seine Frau und der Sohn an den Platz des Vaters, das wirkte und die Familienmitglieder nahmen war, dass es jetzt viel stimmiger ist.


Kommentar
Die Sitzordnung der Familie gibt wichtige Hinweise auf die informelle Struktur und es ist hilfreich, damit zu arbeiten. Die Veränderung der Sitzordnung hat eine sehr verblüffende Wirkung; diese Interventionstechnik spricht für sich, denn sie ist fühlbar.

Schlussgedanken
Mein Ziel war es, aufzuzeigen wie sich systemische Konzepte und TA ergänzen, wie sich dysfunktionale Familienstrukturen auswirken und wie sie sich verändern lassen.
Die Beratung der Familie XY konnten wir nach einigen weiteren Sitzungen beenden. Es ist ihnen gelungen, die Familienstruktur spürbar zu verändern, was Entlastung für alle Familienmitglieder bedeutete.

Vom «Ich zum Wir»
Zuerst kam der Vater allein. Dann gelang es ihm, seine Frau zu überzeugen mitzukommen - so wurde aus dem Ich ein Wir. Das Wir erweiterte sich, als der Sohn dazu kam. In dieser Familie waren alle Symptomträger. In anderen Familien reagiert oft nur ein Familienmitglied offensichtlich mit Symptomen. Eine lineare Sichtweise führt dann meist dazu, dass dieses Familienmitglied als das Problem betrachtet wird.

Der ganzheitliche Ansatz «Vom Ich zum Wir» zeigt sich ebenfalls bei einer weiteren Tätigkeit von mir. Ich arbeite auch als therapeutischer Mitarbeiter in der «Rose» in Heiden, einer sozialpädagogischen Wohngruppe für Mädchen und junge Frauen. Dort ist die TA zentral – Team, Bewohnerinnen und Eltern werden in den Konzepten geschult. Die systematische Sichtweise (vom Ich zum Wir) zeigt sich schon im Erstgespräch, wenn die Heimleiterin liebevoll darauf hinweist, dass in der Rose die Familie als Patient betrachtet wird, aber nur ein Familienmitglied aufgenommen werden könne. Die übrigen Familienmitglieder seien aber wichtig und eingeladen zu den Workshops und Familiengesprächen. Als Familienberater sehe ich die grosse Entlastung für die Töchter, wenn sie aus der Rolle der Problemträgerin aussteigen können.
Literatur
Salvador Minuchin: Theorie und Praxis struktureller Familientherapie/Lambertus (ISBN3-7841-0148-8)
Eric Berne: Grundlagen der Gruppenbehandlung /Junfermann
(ISBN2-87387-424-5)
Jürg Grundlehner
Dipl. Pflegefachmann Psychiatrie
Dipl. Sozialpädagoge/Heimerzieher
Dipl. Familienberater SYSTEMIS.CH
Transaktionsanalytiker TSTA-C

Praxis in St. Gallen, z.T. in Zürich,
Einzel- Gruppen und Teamsupervision
Einzel- Paar und Familienberatung,
TA-Ausbildungsgruppen

ASTA GmbH
Oberer Graben 42
9000 St. Gallen
www.institut-asta.ch
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artikelmärz2021

«Stirb- und Werdeprozesse»
aus astrologischer und TA-Sicht

Autoren: Silvia Scherzinger und Karl Oberhauser – Wir leben in aussergewöhnlichen Zeiten. Eine neue Ära ist seit dem 12. Januar 2020 eingetreten, als sich Saturn und Pluto im Tierkreiszeichen Steinbock trafen. Ein Zusammentreffen von langsam laufenden Planeten (Konjunktion) läutet immer eine wichtige Zeit oder sogar einen Zeitenwandel an. Langsam laufend bedeutet, dass diese Planeten sich nur gemächlich fortbewegen und über einen längeren Zeitraum intensiv wirken. Ausserdem ist eine Konjunktion immer ein Startschuss für einen neuen Zyklus, während ein alter zu Ende geht. Wichtig erscheint an dieser Stelle zu sagen, dass in der Astrologie nicht davon ausgegangen wird, dass beispielsweise die einzelnen Planeten Einfluss auf uns haben. Sie sind vielmehr als Symbole einer Sprache zu verstehen, wie universelle Energieprinzipien auf und in uns wirken.
Saturn und Pluto begegnen sich zwar alle 32-37 Jahre, doch im Tierkreiszeichen Steinbock war das letzte Treffen am 3. Januar 1518. Damals wurde mit den Thesen von Martin Luther die Reformation eingeläutet. In der Vergangenheit sind grosse Weltereignisse immer mit Pluto-Saturn-Zyklen einhergegangen.
Saturn steht in der Astrologie für Struktur, Gesetze, Regeln, Verantwortung, Pflicht, das gesellschaftliche Leben, aber auch für Geduld, Konzentration, Schuld und Hemmung. Ausserdem ist Saturn der Herrscher über den Steinbock.
Pluto hingegen wird mit Gewalt, Zerstörung, Macht und Ohnmacht in Verbindung gebracht, aber auch mit Tiefgründigkeit, Loslassen und Transformation; wie der Phönix, der aus der Asche steigt.
Das Zusammentreffen von Saturn und Pluto im Januar 2020 hat eine wichtige Zeit eingeläutet, auf kollektiver und persönlicher Ebene. Bis November 2020 standen die beiden Planeten im Steinbockzeichen, wirken aber als Wandlungsprozess noch heute. Im persönlichen Horoskop (Radix) ist ersichtlich, in welchen Lebensbereich diese bedeutende Konstellation des letzten Jahres mit seinen Themen und Herausforderungen für jeden einzelnen Menschen fiel. Ein gemeinsamer Nenner jedoch war, dass damals die Angst vor dem Coronavirus sich schnell zu einer weltweiten Krise entwickelte.


Angstgefühle kennt jeder Mensch und löst jeweils ein Stirb- und Werde Prozess aus. (Saturn/Pluto) Da sind Befürchtungen, was die Zukunft betrifft, Angst etwas oder jemanden zu verlieren, Angst zu versagen, Angst bestraft zu werden, Angst arbeitslos oder krank zu werden, usw. Jeder erlebt Angstgefühle unterschiedlich. Auch sind die jeweiligen Bewältigungsstrategien der Angst sehr individuell.
Angstgefühle oder blockierende Eigenschaften, die sich im persönlichen Horoskop als hemmende Planetenkonstellationen oder Aspekte zeigen, lassen sich auch auf die Transaktionsanalyse übertragen, wo sie als Bannbotschaften oder Antreiber bezeichnet werden.
Bannbotschaften
Bannbotschaften sind in der Transaktionsanalyse unausgesprochene Einschärfungen oder Anweisungen, welche Eltern und Erzieher subtil an ihr Kind herantragen. Das Ziel der Bannbotschaften liegt darin, im Kind auf nonverbaler Basis ein bestimmtes Verhalten zu aktivieren oder es in eine gewünschte Richtung zu leiten.
Schon in den ersten Lebensjahren erhält ein Kind von seinen Eltern und Bezugspersonen verschiedene Botschaften, in welchen es erfährt, dass gewisse Eigenschaften oder Verhaltensweisen von ihm unerwünscht resp. nicht akzeptabel sind. Diese Botschaften lösen im Kind verschiedene existenzielle Ängste aus, wie z.B. Angst vor Zurückweisung, Angst vor Versagen, Angst vor Trennung. Ein Kind, das Angst haben muss, von den Eltern nicht geliebt zu werden, hat auch Angst, zurückgewiesen und verlassen zu werden. Da ein Kind so sehr von der Zuwendung und der Akzeptanz der Erwachsenen abhängig ist, reagiert es sehr sensibel, wenn es direkt oder indirekt Ablehnung oder Entwertung erfährt. In der Folge eignet es sich einen unbewussten Schutz- und Anpassungsmechanismus an, der jedoch für die Entfaltung und Entwicklung des Kindes sich früher oder später eher hemmend auswirkt.
In Momenten, in welchen das Kind elterliche Einschärfungen wahrnimmt, bleiben stets wunde Punkte, Komplexe oder Minderwertigkeitsgefühle zurück. Bannbotschaften haben daher einen enorm starken Einfluss auf die Persönlichkeitsentwicklung des Kindes resp. bestimmen unbewusst seine Befindlichkeit, seine Verhaltensweise und Glaubensmuster.
Ebenfalls haben Bannbotschaften einen enorm starken Einfluss auf das Selbstwertgefühl des Kindes. Schon ein vorwurfsvoller Blick genügt, dass sich das Kind unverstanden, abgelehnt oder blossgestellt fühlt. Eine abwertende Haltung von nahen Menschen, welche das Kind liebt oder von denen seine Existenz abhängig ist, sind besonders schmerzvoll und verletzend. Durch das herabgesetzte Selbstwertgefühl glaubt das Kind nicht zu genügen und fühlt sich minderwertig und nicht liebenswert. Gleichzeitig gehen Gedanken durch seinen Kopf wie: “Ich bin ein Versager, ich bin unwichtig, ich bin wertlos, ich bin nicht o.k.“
Bannbotschaften bleiben im Kind vielfach als sogenannte Lebensskripte zurück, die sein weiteres Leben prägen.
Im Buch „Die Transaktionsanalyse“ von Jan Stewart und Vann Joines werden 12 Bannbotschaften beschrieben:
Astrologisch gesehen können diese Bannbotschaften jeweils einem Tierkreiszeichen oder Planetenprinzipien und ihren Eigenschaften zugeordnet werden. Im persönlichen Radix sind diese Themen durch die Stellungen der Planeten zueinander und den Tierkreiszeichen, etc. sichtbar. Astrologie ist sehr komplex und vielschichtig. An dieser Stelle können darum nur ein grober Überblick und einzelne Facetten aufgezeigt werden. Allfällige scheinbare Widersprüche sind dieser Unmöglichkeit auf Vollständigkeit geschuldet.


1. «Werde nicht erwachsen!» Widder (Willenskraft, Impulsivität, Energie, Mut, Tatendrang)
2. «Lass das!» Stier (Sinnlichkeit, Genuss, Beharrlichkeit, Sicherheitsstreben)
3. «Denke nicht!» Zwillinge (Geist, Witz, Lernfreude)
4. «Fühle nicht!» Krebs (Gefühlsbetontheit, Eigenwilligkeit, Geborgenheit, Nähe)
5. «Sei nicht wichtig!» Löwe (Glanz, Grosszügigkeit, Mittelpunktstreben)
6. «Sei nicht gesund!» Jungfrau (Genauigkeit, Nützlichkeit, Unterscheidungssinn)
7. «Sei nicht du selbst!» Waage (Sinn für Schönheit, Harmonie, Ausgleich)
8. «Sei nicht normal!» Skorpion (Zersetzung, Grenzsituationen, bohrende Fragen)
9. «Schaffs nicht!» Schütze (Freiheitsliebe, Unbekümmertheit, Bewegungsfreude)
10. «Sei kein Kind!» Steinbock (Durchhaltevermögen, Ehrgeiz, Zielbewusstheit, Stolz)
11. «Sei nicht nahe/zugehörig!» Wassermann (Kommunikation, Humanität, Brüderlichkeit)
12. «Sei nicht/existiere nicht!» Fische (Sensibilität, Hilfsbereitschaft, Mitgefühl, schwer fassbar)


Durch Bannbotschaften wird im Kind jeweils auf nonverbaler Basis ein bestimmtes Verhalten aktiviert.
Saturn steht in der Astrologie für Grenzen und Widerstände die wir erfahren und mit ihnen umgehen lernen sollen. Er verkörpert dadurch auch Struktur, Gesetze und Verantwortung, lehrt uns aber dadurch auch Beharrlichkeit und Widerstandskraft aufzubauen. Saturn wird insofern mit den Bannbotschaften in Verbindung gebracht, als er hier das blockierende Element in Bezug auf eines anderen Planetenprinzips darstellt.
Die Botschaft „Werde nicht erwachsen!“ wird mit den Planeten Mars und Saturn, sowie dem Sternzeichen Widder in Verbindung gebracht. Dem Kind wird ein ganz bestimmtes Verhalten anerzogen. Mars steht in der Astrologie ähnlich wie Widder für Wille, Durchsetzung, Initiative und Handeln, einem eigentlich natürlichen Verhalten des Kindes, das nun aber in Kombination mit Saturnenergie stark bevormundet wird und keine Eigeninitiative, Willens- oder Durchsetzungskraft entwickeln, geschweige denn seine eigene Meinung vertreten darf.
„Lass das!“ Botschaften sind z.B. Ermahnungen oder Verbote welche Eltern aus übertriebener Sorge, Angst oder Absicht dem Kind gegenüber äussern. Das Kind wird sich dann nicht getrauen eigene Bedürfnisse und Wünsche zu äussern, was es gerne haben würde. Sicherheit und Genuss bleiben ihm verwehrt. Aus astrologischer Sicht werden hier das Tierkreiszeichen Stier und das Venusprinzip mit dem Saturn verbunden: Venus steht unter anderem für Genussfreude, Schönheit und Harmoniestreben, das nun blockiert wird.
Kinder mit der „Denke nicht!“-Botschaft sind unlogisch und kompliziert veranlagt. Merkur (und auch das Zeichen Zwillinge) stellt unter anderem den Verstand, das Denken und die Vernunft dar. Werden diese Eigenschaften blockiert kann dies beispielsweise auch dazu führen, dass Kinder in der Schule Schwierigkeiten haben, sich zu konzentrieren
„Fühle nicht!“ Kinder, sind oftmals Jungs, welche von klein auf stets getrimmt wurden keine Gefühle zu zeigen, um ja nicht als schwach oder verweichlicht zu scheinen. Astrologisch wird hier die Blockierung des Mondes angesprochen, welcher wie das Tierkreiszeichen Krebs unter anderem für Gefühle, Emotionen, Phantasie und auch die seelische Grundstimmung steht.
Die Botschaft „Sei nicht wichtig!“ ist eine starke Kränkung für ein Kind. Das Kind fühlt sich zu wenig beachtet und anerkannt. Es spricht leise und wird vermeiden sich in den Vordergrund zu spielen. Aus astrologischer Sicht ist hier das Sonnenprinzip, das auch mit dem Sternzeichen Löwe zusammenhängt, blockiert: es bezeichnet den Wesenskern eines Menschen, sein zentrales Anliegen und sein inneres Selbst.
Vernimmt ein Kind die Botschaft „Sei nicht gesund!“, so glaubt es, die meiste Zuwendung zu erlangen, wenn es krank ist oder wenn es ihm gesundheitlich nicht gut geht. Ein blockierter Chiron, der für den «verwundeten Heiler» und somit ganz generell für das Thema Gesundheit steht, führt oft dazu, dass solche Kinder diffuse Beschwerden oder psychosomatische Erkrankungen haben.
Bei der „Sei nicht du selbst!“ Botschaft darf das Kind nicht so sein und sich zeigen, wie es ist oder gerne sein möchte: z.B. in der Beziehung, Kleiderwahl, Frisur. Auch glaubt es zu wenig hübsch zu sein. Hier kommt wieder die Venus, zusammen mit dem Zeichen Waage ins Spiel, in diesem Zusammenhang wird der Schönheitssinn, das ästhetische Empfinden blockiert.
Der Planet Jupiter steht gemeinsam mit dem Sternzeichen Schütze für Glück, Erfolg, der Suche nach einem individuellen Sinn und Ziel im Leben, aber auch beispielsweise für Überschwänglichkeit. Wird dies nun durch Saturnenergie blockiert, drückt sich dies in der „Schaffs nicht!“ Botschaft!“ aus und sagt dem Kind auf nonverbaler Basis, dass es seine Ziele nicht erreichen darf. Oder kein Glück und keinen Erfolg verdient hat.
Die Botschaft „Sei nicht normal!“ vermittelt dem Kind stets das Gefühl von Ohnmacht und ausgeliefert sein oder Andersartigkeit, z.B. sexuelle Zugehörigkeit. Hier wird das Mondthema, also die Gefühle, Emotionen, die Empfindungsweise nicht von Saturnenergie blockiert, sondern wird mit Pluto, welcher unter anderem für den Umgang mit Macht, Ohnmacht steht, aber auch für die Fähigkeit zu radikaler Veränderung und Erneuerung: Stirb und werde. Gleichzeitig besteht der Bezug zum Zeichen Skorpion, das unter anderem mit Grenzsituationen und der Zersetzung zu tun hat.
Die «Sei kein Kind!» Botschaft bewirkt, dass schon kleine Kinder sich sehr erwachsen geben und für die Familie und ihre Geschwister stets viel Verantwortung übernehmen. Astrologisch wird dies mit einer Blockade der Mondenergie, die neben Gefühlen und Empfindungen auch für das Kindsein steht, sowie mit dem Sternzeichen Steinbock in Verbindung gebracht.
Kinder, welche die «Sei nicht nahe/zugehörig!» Botschaft verinnerlicht haben, haben Mühe, längere Zeit intensive Zweisamkeit zuzulassen oder auszuhalten, da sie sich stets zurückgewiesen und als Aussenseiter fühlen oder nicht als die wirklichen Kinder ihrer Eltern. Auch hier ist der Mond im Spiel, jedoch im Zusammenhang mit Uranus, der in diesem Zusammenhang unter anderem für das Thema der Befreiung, der Bereitschaft, neue Wege zu gehen steht.
Bei der «Sei nicht, existiere nicht!» Botschaft, wird dem Kind eine ablehnende Haltung vermittelt. Das Kind fühlt sich von den Eltern ignoriert und übergangen. Mit der Zeit glaubt das Kind sogar, dass es für die Eltern besser wäre, wenn es gar nicht existieren würde. Diese Botschaft ist die Bedrohlichste von allen. In der Astrologie zeigt sich diese Bannbotschaft durch eine Verbindung zwischen Mond und Neptun, der für die Themen Täuschung, Illusion, Übersinnlichkeit, aber auch bedingungslose Liebe steht.
Um innere Kränkungen und Verletzlichkeiten wieder auszugleichen, entwickelt das Kind mittels der sogenannten Antreibern Strategien, um trotz der verinnerlichten Bannbotschaften von der Umwelt akzeptiert und geliebt zu werden. Deshalb schlüpft es gehorsam in die von den Eltern unbewusst gewünschte Rolle hinein. Doch durch die angepasste Verhaltensweise kann das Kind nicht mehr seine wahre Individualität zum Ausdruck bringen.
Elterliche Richtlinien, Anweisungen und Moralvorstellungen werden vom Kind stets als Gehorsamsregeln aufgenommen, welche das so genannte „Gewissen“ bilden. Sobald das Kind in seine ursprüngliche Verhaltensweise zurückfällt und eigene Vorstellungen, Meinungen und Rechte vertritt, entwickelt es sofort Schuldgefühle. Schuldgefühle werden ausschliesslich durch Nichteinhaltung von eigenen oder fremden Forderungen und Erwartungen erzeugt. Auf diese Weise wird das Kind subtil manipuliert und fremdbestimmt. Längerfristig rufen Bannbotschaften und Antreiber jedoch stets zwanghafte und hemmende Verhaltensmuster hervor.
Wem seine inneren Antreiber jedoch bewusst sind, dem zeigen folgende Erlaubnissätze eine Möglichkeit auf, diese zu korrigieren:


anstatt immer perfekt sein zu müssen, darf ich o.k. sein, auch wenn ich Fehler mache.
anstatt mich immer anstrengen zu müssen, darf ich Erfolg haben, es darf mir gelingen.
anstatt lieb und gefällig sein zu müssen, darf ich eigene Überzeugungen haben, wichtig sein und meine Meinung vertreten.
anstatt immer stark sein zu müssen ist es o.k., wenn ich meine Gefühle zeige und ich auch einmal „schwach“ bin.
anstatt mich immer beeilen zu müssen, darf ich mir Zeit nehmen, mir gestatten zu verweilen und zu geniessen.


Wirklich verinnerlichte Erlaubnisse fühlen sich gut an und befreien uns von jahrelang falsch gedeuteten Überzeugungen und Glaubenssätzen. Durch Erlaubnissätze verwandeln wir unsere prägenden Verhaltensmuster und stärken gleichzeitig unser Selbstbewusstsein. Belastende Gefühle und Ängste weichen und auch unser falsches Selbstbild, das wir jahrelang mit Ersatzgefühlen, diversen Vermeidungstechniken, falschen Annahmen, Überzeugungen und unangepassten Reaktionsweisen mühsamst versuchten aufrechtzuerhalten, zerfallen zunehmend. Ebenso lösen sich langsam durch die Bewusstwerdung irrtümliche Informationen auf, wie z.B. Schuld-, Scham- und Versagensgefühle, die wir seit der Kindheit in unserer Seele gespeichert haben.


Transformation oder Stirb und Werde Prozesse (Saturn/Pluto oder Coronakrise)
Das Leben verläuft rhythmisch. Wachsen, Reifen und Vergehen ist das Gesetz der Natur. Denn nur indem du Altbewährtes loslässt und ein Wagnis eingehst, kann etwas Neues wachsen und sich entwickeln. Aus Sicht der psychologischen Astrologie bieten Blockierungen und Hindernisse eine Aufgabe, sich im Leben in bestimmten Themen weiter zu entwickeln. Dieser Wandlungsprozess wird Transformation genannt. Stirb- und Werde-Prozesse gehören zum Leben. Entwicklung und Wandlung geschehen erst, wenn ein alter ausgetretener Pfad verlassen und ein neuer Weg eingeschlagen wird.
Die Seele ist immerfort bestrebt, einen Ausgleich zwischen dem Jetzt, dem Vergangenen und der Zukunft herzustellen. Dabei versucht sie die äussere Situation mit unserem Denken und Fühlen zu verbinden, um so in Übereinstimmung mit unserm Tun und Handeln zu gelangen. Ist die Zeit reif, drängt sie zu einem Wandel, zu einer Veränderung.
Damit Erneuerung überhaupt stattfinden kann, sind jedoch Lebenskrisen unvermeidbar. Krisen gehen immer mit Veränderungen einher. Ohne Lebensherausforderungen, Niederlagen und Frustrationen würden wir Menschen uns nicht entwickeln. Behinderungen und Schwierigkeiten sind also notwendige Voraussetzungen, damit wir als Persönlichkeit überhaupt wachsen und reifen können. Jeder Mensch birgt die Sehnsucht nach Wachstum und Entwicklung in sich, um sein wahres Ich leben zu können. Mit dem Zusammentreffen von Saturn und Pluto im Steinbockzeichen im Januar 2020 wurde eine solche Krise ausgelöst. Sie zeigte sich insbesondere in der Coronakrise, die uns alle aufforderte, sich mit den Themen Blockierung und Veränderung auseinander zu setzen.
Solange du dich aber gegen Veränderungen sträubst und dich dem Erneuerungsprozess widersetzt, solange hält dich die Angst gefangen und solange erleidest du Schmerz und Leid. Leider ist es so, dass der Mensch immer zuerst Kummer und Leid erfahren muss, bis ihm langsam bewusst wird, dass seine bisherige Lebensführung so nicht mehr weitergehen kann und dass es nun an der Zeit wäre, etwas zu verändern.
Erst wenn du die notwendigen Schritte der Änderungen einleitest, kannst du erahnen, dass diese sich nicht nur negativ auf dein Leben auswirken, sondern auch deinem Heil dienen. Wandlung beginnt, wenn du dich dem Leben stellst, Veränderungen zulässt, Altes loslässt und mutig Neuland betrittst. Um im Leben beweglicher zu werden, musst du daher dich von alten Denk- und Verhaltensmustern verabschieden. Wenn du bereit für Erneuerungen bist, ebnest du dir den Weg für ein selbstbestimmtes Leben.


Die Lösung liegt nicht im Festhalten, sondern im Loslassen!
Dein Leben ist ein ständiges auf und ab und du pendelst zwischen bewahren und verändern, zwischen Altem und Neuem, zwischen Wollen und Müssen, zwischen Pflicht und Lust.
Bevor jedoch etwas Neues geboren werden kann, muss zuerst das Alte sterben. Wenn du bereit bist, die Vergangenheit loszulassen und dich vertrauensvoll auf Neues einlässt, dann kann ein Erneuerungsprozess stattfinden. Bei einer Erneuerung opferst du nur das, was mit deinem wahren Ich nicht stimmig ist und dem du entwachsen bist. Erneuerungsprozesse entwickeln sich langsam durch Loslassen und Neuorientierung.
Aktuelle Erneuerungsprozesse oder der Aufbau aus astrologischer Sicht
Aus astrologischer Sicht befinden wir uns aktuell in einer spannenden Zeit des Neuanfangs. Am 21.12.2020 begegneten sich Jupiter und Saturn im Wassermannzeichen. Ein Ereignis, das zeitnah mit einer Sonnen- und Mondfinsternis stattfand. Diese aussergewöhnliche Konstellation läutete eine neue Zeitenwende an, welche in den nächsten 20 Jahren global in der Gesellschaft sichtbar werden wird.
Das Wassermannzeichen steht für Erneuerung, für soziale und humanitäre Eigenschaften, wo es um persönliche Entwicklung, individuelle Freiheit (Meinungsfreiheit, Demokratie), neues Denken, Vernetzung, technische Entwicklung und gesellschaftliche Veränderungen, wie auch um Gleichgesinnte und Freundschaften geht. Nicht so wie während der Pluto/Saturn Konjunktion im Steinbock, wo nur noch bestimmte Ansichten und einseitige Expertenmeinungen akzeptabel waren, Grundrechte beschnitten wurden, diktatorische Massnahmen verhängt wurden und in den öffentlichen Medien kein Diskurs mehr Platz hatte.
Im persönlichen Horoskop ist ersichtlich, wie sich diese Konstellation für jeden einzelnen Menschen auswirkt und welche Lebensbereiche persönlich betroffen sind. Vor allem Widder, Krebs, Waage und Steinbockgeborene der dritten Dekade sind mit Herausforderungen aber auch Chancen von dieser Konstellation betroffen. Die Quersumme des Datums 21.12.2020 ist eine 10, resp. eine 1, was ebenfalls für einen Neuanfang steht.
Individuell betrachtet, ermöglicht die Jupiter/Saturn Konjunktion im Wassermann emotional und persönlich zu wachsen, das Bewusstsein zu erweitern, alte Prägungen (Bannbotschaften, Antreiber) loszulassen und auf die Signale unser wundervollen Seele zu achten, um unser aller innewohnendes Potenzial zu entfalten.
Silvia Scherzinger und Karl Oberhauser
Silvia Scherzinger ist gelernte Pflegefachfrau. Sie hat die Ausbildung in Transaktionsanalyse und in Astrologie absolviert und führt zusammen mit Karl Oberhauser in Wil die Praxis VitaBalance.
Zusammen haben sie den «Seelencode» entwickelt, eine Behandlungsmethode um belastende Lebens- und Ahnenthemen aufzulösen.
www.praxis-vitabalance.ch / www.seelencode.ch
info@praxis-vitabalance.ch
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